Naturgefahren und Klima

Erdbebenzone und Hitzetage am Standort: Was Referenz-Bodenbeschleunigung und Hitzetage 1991–2020 aussagen

Zwei österreichweite Standortwerte, zwei verschiedene Fragen: Die Erdbebenzone beschreibt eine Bemessungsgrundlage mit 475 Jahren Wiederkehrperiode, die Hitzetage ein historisches Mittel 1991–2020. Was beide Werte am Grundstück bedeuten – und was nicht.

Veröffentlicht
4. Oktober 2026
Stand
4. Oktober 2026
Geprüft am
4. Oktober 2026
Andreas Ostheimer · Verantwortlicher Schlussreview und Sichtfreigabe
Lesezeit
6 Minuten
Illustrative Luftansicht einer österreichischen Gemeinde zur Einordnung regionaler Erdbeben- und Hitzekennwerte
Illustrative Standortansicht: Erdbebenzone und Hitzetage sind regionale Kennwerte, keine Messung und keine Prognose für ein einzelnes Grundstück.Bild: LandNutzen · KI-gestütztes LandNutzen-Projektasset aus PR #335 · Für den LandNutzen-Webauftritt freigegeben · KI-generierte Illustration

Kurzantwort

Der Standort-Check zeigt für Adressen in ganz Österreich zwei Werte, die leicht verwechselt werden, aber verschiedene Fragen beantworten:

  • Erdbebenzone und Referenz-Bodenbeschleunigung (agR): eine Bemessungsgrundlage für erdbebensicheres Bauen nach ÖNORM B 1998-1. Sie beschreibt eine Bodenbeschleunigung, die in 50 Jahren mit 10 % Wahrscheinlichkeit erreicht oder überschritten wird – das entspricht einer mittleren Wiederkehrperiode von 475 Jahren. Der Wert gilt für den nächsten ÖNORM-Referenzort, nicht für das Grundstück.
  • Hitzetage, extreme Hitzetage und Tropennächte: Mittelwerte pro Jahr aus der Klimaperiode 1991–2020 in einem 1-km-Raster. Sie zeigen, wie oft es in dieser Region früher heiß war, nicht wie heiß es heute oder künftig ist.

Keiner der beiden Werte ist eine Prognose, eine Messung auf dem Grundstück oder eine Bewertung. Deshalb zeigt der Standort-Check dafür auch keine Ampel.

Teil 1: Erdbebenzone und Referenz-Bodenbeschleunigung

Was agR bedeutet

GeoSphere Austria stellt die Karte der Erdbebengefährdung für Österreich bereit. Sie zeigt die horizontale Referenz-Bodenbeschleunigung nach der aktuell gültigen ÖNORM B 1998-1, in Metern pro Sekunde zum Quadrat (m/s²). Laut Dienstbeschreibung wird diese Erdbebeneinwirkung in 50 Jahren – der durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Gebäudes – mit 90 % Wahrscheinlichkeit nicht überschritten; umgekehrt beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung 10 %, was einer mittleren Wiederkehrperiode von 475 Jahren entspricht. Die Werte dienen der erdbebensicheren Bauweise.

Die Karte ist auf zwei Kilometer genau, weil Erdbeben sich nur in diesem Rahmen lokalisieren lassen. Deshalb liegen manche Orte im Übergangsbereich scheinbar in der Nachbarzone; maßgeblich ist laut GeoSphere der für den jeweiligen Ort ausgewiesene agR-Wert. Die Zuordnung zu einer Zone regelt die Norm; liegt ein Wert genau auf einer Zonengrenze, gilt die höhere Zone.

Die Zonen 0 bis 4 in der Ortstabelle

Die Ortstabelle der Quelle enthält im aktiven LandNutzen-Release 2.188 Orte mit Zone und agR. Im Datensatz verteilen sie sich so:

ZoneOrteAnteil der OrteagR im Datensatz
044920,5 %0,18 bis 0,35 m/s²
154825,0 %0,36 bis 0,50 m/s²
267030,6 %0,51 bis 0,75 m/s²
342819,6 %0,76 bis 1,00 m/s²
4934,3 %1,01 bis 1,40 m/s²

Die Spannweiten sind im Datensatz beobachtete Werte, keine Zonengrenzen aus der Norm. Die Anteile beziehen sich auf Orte der Tabelle, nicht auf Fläche oder Bevölkerung.

Was der Standort-Check zeigt

Die Karte „Erdbebengefährdung“ im Standort-Check sucht den nächsten ÖNORM-Referenzort im Umkreis von 25 km und nennt dessen Zone, agR, Ortsnamen, Postleitzahl und die Entfernung zum Standort. Sind zwei Orte gleich weit entfernt und haben unterschiedliche Werte, wählt die Karte keinen aus. Gibt es im Umkreis keinen Ort, zeigt sie keinen Wert. Den aktiven Release belegt der LandNutzen-Provenienznachweis erdbeben-oenorm.

Was der Wert nicht ist

  • Keine Vorhersage. Laut GeoSphere Austria lässt sich ein bevorstehendes Erdbeben nicht vorhersagen; Gefährdungsanalysen geben die statistische Wahrscheinlichkeit für ein Beben bestimmter Stärke in einem Gebiet an. Grundsätzlich können fast überall in Österreich Erdbeben auftreten; die meisten gibt es in tektonisch aktiven Zonen wie dem Rheintal, dem Inntal und seinen Seitentälern, dem Mur- und Mürztal, dem Semmeringgebiet und dem Wiener Becken.
  • Keine Bemessung. Die ÖNORM B 1998-1 enthält als nationale Festlegungen zum Eurocode 8 laut Inhaltsverzeichnis unter anderem einen Abschnitt zu Baugrundbeschaffenheit und Erdbebeneinwirkung sowie nationale Festlegungen zu Bedeutungsbeiwerten für Bedeutungskategorien. Die Referenz-Bodenbeschleunigung ist ein Eingangswert der Bemessung; wie ein konkretes Gebäude auszulegen ist, beurteilt die Tragwerksplanung nach der Norm.
  • Kein Wert für das Grundstück. Der Referenzort ist nicht der Bauplatz; die Karte nennt deshalb immer Ort und Entfernung.

Teil 2: Hitzetage und Tropennächte 1991–2020

Was gezählt wird

Die Werte stammen aus dem Datensatz HORA-v1: Hitzelayer der GeoSphere Austria, berechnet aus dem Beobachtungsdatensatz SPARTACUS mit 1 km × 1 km Auflösung. Laut Projektbericht der GeoSphere Austria gelten diese Definitionen:

KennzahlDefinition
HitzetagTageshöchsttemperatur mindestens 30,0 °C
Extremer HitzetagTageshöchsttemperatur mindestens 35,0 °C
TropennachtTagesminimum fällt nicht unter 20,0 °C

Angegeben ist jeweils die mittlere Anzahl pro Jahr in der Klimanormalperiode 1991–2020. Der Standort-Check zeigt die drei Werte für die 1-km-Rasterzelle des Standorts mit einer Nachkommastelle, neutral und ohne Bewertung. Eine vierte Kennzahl des Datensatzes, die Tage in Hitzeepisoden, zeigt er nicht. Den aktiven Release belegt der LandNutzen-Provenienznachweis geosphere-hora-hitzelayer.

Was die Zahlen nicht sind

  • Kein aktueller Stand. Der Projektbericht hält fest, dass wegen des klimawandelbedingten Temperaturanstiegs im heutigen Klima bereits höhere Werte zu erwarten sind und einzelne Jahre deutlich wärmer ausfallen können. Als Beispiel nennt er 2024 mit 29 bis 52 Hitzetagen in den Landeshauptstädten, einen Rekord.
  • Keine Prognose. Die Werte beschreiben die Vergangenheit. Aussagen über künftige Jahre sind aus ihnen nicht abzuleiten.
  • Keine Messung auf dem Grundstück. Ein Rasterwert gilt für eine Fläche von einem Quadratkilometer. Laut Projektbericht können einzelne Rasterpunkte für ihre Lage nicht repräsentativ sein; die GeoSphere empfiehlt, mehrere Gitterpunkte um ein Zielgebiet zu betrachten.
  • Extreme werden geglättet. Gerade Extremwerte sind laut Bericht von Glättungseffekten der Interpolation am stärksten betroffen; an manchen Orten erfasst das Raster deshalb weniger extreme Hitzetage, als gemessen wurden.

Räumlich zeigt der Bericht für Hitzetage Schwerpunkte in Becken, Tälern und im Flachland, vor allem im Osten; extreme Hitzetage bleiben in den meisten Teilen Österreichs im Mittel unter einem Tag pro Jahr, Tropennächte konzentrieren sich auf den Osten mit Wien.

Hitzetage und Jahresklima nicht vermischen

Der Standort-Check zeigt zusätzlich Jahresmitteltemperatur und Niederschlag eines einzelnen Jahres aus SPARTACUS v3. Das ist eine andere Frage: wie warm oder nass ein bestimmtes Jahr war, nicht wie oft es im langjährigen Mittel heiß wurde. Die Unterschiede erklärt Klimadaten am Grundstück: Was SPARTACUS v3 wirklich zeigt.

Was Sie mit beiden Werten tun können

  • Nutzen Sie Zone und agR als Hinweis, dass die Erdbebeneinwirkung in der Planung zu berücksichtigen ist. Die Bemessung übernimmt die Tragwerksplanung nach der Norm, nicht der Standort-Check.
  • Lesen Sie Hitzetage als Beschreibung des Standortklimas der Jahre 1991–2020. Für Entscheidungen, die von heutigen oder künftigen Hitzebelastungen abhängen, brauchen Sie aktuellere Daten und fachliche Beratung.
  • Prüfen Sie, welche Werte zu welchem Datenstand gehören; das erklärt Datenstand und Abdeckung richtig lesen. Grundsätze zu Quellen und Grenzen stehen in der Methodik.

Quellen, Lizenzen und Hinweise

Erdbeben – Datenquelle: GeoSphere Austria, Kartendienst Referenz-Bodenbeschleunigung, Lizenz CC BY 4.0. LandNutzen ordnet der Adresse den nächstgelegenen Ort der ÖNORM-Ortstabelle samt Entfernung zu und übernimmt Zone und agR unverändert; die Zonentabelle in diesem Beitrag hat LandNutzen aus der Ortstabelle gezählt und gerundet.

Hitze – Datenquelle: GeoSphere Austria - https://data.hub.geosphere.at, Datensatz HORA-v1: Hitzelayer, Lizenz CC BY 4.0, Nutzungsbedingungen des GeoSphere Data Hub. LandNutzen rekonstruiert die mittlere Anzahl der Tage pro Jahr aus unveränderten ganzzahligen Summen über 30 Jahre und rundet nur die Darstellung auf eine Nachkommastelle.

GeoSphere Austria bestätigt oder unterstützt diese Auswertungen nicht. Hinweise auf Fehler nehmen wir über /impressum#kontakt entgegen.

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