Photovoltaik

PV-Ertrag in Österreich berechnen: Was PVGIS kann – und was nicht

So wird aus Adresse, Anlagengröße und EU-Solardaten eine nachvollziehbare Ertragsschätzung – inklusive der Grenzen, die vor einer Investition wichtig sind.

Veröffentlicht
2. August 2026
Stand
4. August 2026
Geprüft am
4. August 2026
Andreas Ostheimer · Verantwortlicher Schlussreview und Sichtfreigabe
Lesezeit
7 Minuten
Luftbild einer österreichischen Gemeinde mit eingezeichneten Standortdaten
Standortdaten geben eine belastbare Orientierung. Die konkrete Anlage braucht anschließend eine objektspezifische Prüfung.Bild: LandNutzen · KI-gestütztes LandNutzen-Projektasset aus PR #335 · Für den LandNutzen-Webauftritt freigegeben · KI-generierte Illustration

Kurzantwort

Der PV-Ertrag ist keine fixe Zahl für ganz Österreich. Er hängt vom Standort, der installierten Leistung, der Ausrichtung, der Neigung und den angesetzten Systemverlusten ab. Eine gute erste Kennzahl ist der spezifische Jahresertrag in Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak (kWh/kWp). Er macht Standorte und Anlagengrößen vergleichbar.

LandNutzen verwendet dafür PVGIS 5.3, das Photovoltaic Geographical Information System des Joint Research Centre der Europäischen Kommission. PVGIS stellt Solarstrahlungs- und Ertragsdaten standortbezogen und ohne Registrierung bereit.

Das Ergebnis ist eine modellbasierte Standortschätzung, keine Ertragsgarantie und keine individuelle Anlagenplanung.

Was bedeutet kWh pro kWp?

Kilowatt-Peak (kWp) beschreibt die Nennleistung der Module unter standardisierten Testbedingungen. Der spezifische Ertrag sagt, wie viele Kilowattstunden Strom eine Anlage rechnerisch pro installiertem kWp und Jahr erzeugt.

Die einfache Überschlagsrechnung lautet:

Anlagengröße in kWp × spezifischer Ertrag in kWh/kWp = Jahresertrag in kWh

Ein reines Rechenbeispiel: Liefert die Standortschätzung 1.100 kWh/kWp, ergibt eine Anlage mit 8 kWp rechnerisch 8.800 kWh pro Jahr. Die 1.100 kWh/kWp sind hier nur ein Beispiel und keine Österreich-Pauschale. Für eine belastbare Orientierung muss der konkrete Standort gerechnet werden.

Wie PVGIS den Ertrag ermittelt

Für netzgekoppelte Anlagen berechnet PVGIS durchschnittliche Monats- und Jahreswerte aus einer mehrjährigen Zeitreihe. Laut JRC-Beschreibung des PV-Werkzeugs fließen unter anderem Solarstrahlung, Temperatur, Windgeschwindigkeit und die gewählte Modultechnologie ein.

Für Europa ist in PVGIS 5.3 standardmäßig der satellitenbasierte Datensatz PVGIS-SARAH3 vorgesehen. Das PVGIS-5-Handbuch dokumentiert dafür einen mehrjährigen Datenbestand und eine räumliche Auflösung von ungefähr fünf Kilometern. Das ist für eine standortbezogene Ersteinschätzung wertvoll, bildet aber nicht jedes Detail eines einzelnen Dachs ab.

Der LandNutzen-Rechner fragt PVGIS derzeit mit einer Leistung von 1 kWp ab. Dadurch entspricht der ausgegebene Jahresertrag direkt dem spezifischen Ertrag. Die Anlagengröße wird anschließend transparent hochgerechnet. Als Modultechnologie ist kristallines Silizium gesetzt. Das Modell nimmt eine freie, hinterlüftete Montage an, berücksichtigt den von PVGIS berechneten Geländehorizont und lässt PVGIS Neigung und Azimut für den modellierten Jahresertrag optimieren. Diese Annahmen werden auch direkt beim Ergebnis angezeigt.

Diese Annahmen verändern das Ergebnis

Standort

Schon innerhalb Österreichs unterscheiden sich Solarstrahlung, Temperatur und Geländehorizont. Deshalb ist eine Adresse oder Koordinate aussagekräftiger als ein pauschaler Landeswert.

Ausrichtung und Neigung

PVGIS kann eine feste Ausrichtung berechnen oder jene Neigung und Orientierung ermitteln, die den modellierten Jahresertrag maximiert. Der erste LandNutzen-Rechner verwendet diese optimale Ausrichtung als verständlichen Potenzialwert. Ein reales Dach kann davon deutlich abweichen.

Systemverluste

Kabel, Wechselrichter, Temperatur und weitere Effekte reduzieren den nutzbaren Ertrag. Im LandNutzen-Rechner sind aktuell 14 Prozent Systemverlust voreingestellt. Das ist eine sichtbare Rechenannahme, kein Messwert der späteren Anlage.

Horizont und Verschattung

PVGIS kann laut Handbuch einen berechneten Geländehorizont einbeziehen, etwa für umliegende Hügel oder Berge. Diese Information ersetzt keine lokale Verschattungsanalyse für Kamine, Nachbargebäude oder einzelne Bäume. Gerade bei komplexen Dächern sollte deshalb eine Fachplanung mit Vor-Ort-Daten folgen.

Was die Zahl nicht beantwortet

Eine PVGIS-Schätzung beantwortet die Frage nach dem möglichen Energieertrag. Sie beantwortet nicht automatisch:

  • ob Statik, Dachhaut und Brandschutz für die Anlage geeignet sind,
  • wie viele Module tatsächlich auf die nutzbare Dachfläche passen,
  • ob Bäume oder Gebäude einzelne Modulfelder verschatten,
  • wie hoch Eigenverbrauch und Einspeisung im konkreten Lastprofil ausfallen,
  • welche Netzanschlussleistung verfügbar ist,
  • welche Investitionskosten, Tarife oder Förderungen aktuell gelten.

Das JRC beschreibt den ausgegebenen Ertrag typischerweise als AC-Energie inklusive der gewählten Systemverluste. Der netzgekoppelte PVGIS-Rechner modelliert jedoch weder Ihren Haushaltsverbrauch noch automatisch einen Batteriespeicher. Ertrag, Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit sind daher drei verschiedene Fragen.

So nutzen Sie die Schätzung sinnvoll

  1. Berechnen Sie zuerst den spezifischen Ertrag für die konkrete Adresse.
  2. Multiplizieren Sie ihn mit einer realistischen Anlagengröße.
  3. Vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrem Jahresverbrauch und – wenn vorhanden – einem stündlichen Lastprofil.
  4. Prüfen Sie Dachfläche, Statik, Verschattung und Netzanschluss mit Fachleuten.
  5. Holen Sie erst danach konkrete Angebote ein und vergleichen Sie diese mit denselben Annahmen.

Jetzt den PV-Ertrag für eine Adresse berechnen

Fazit

PVGIS ist eine starke Grundlage für die erste Frage: Welcher PV-Ertrag ist an diesem Standort unter klaren Annahmen plausibel? Die Antwort ist reproduzierbar, quellennah und genauer als eine Österreich-Pauschale. Für die Investitionsentscheidung braucht es danach aber Dachprüfung, Verbrauchsprofil, Netzklärung und ein konkretes Angebot.